Gebühren in Griechenland
Die Ahnungslosen?

Gebührenfalle Griechenland, illegale Einreisesteuer, Halsabschneider - Begriffe, welche die Yach-Fachpresse gerne verwendet, wenn sie über die Gepflogenheit Griechenlands, Yachties kräftig abzukassieren, schreibt. Sicher, kassiert wird schon, aber auch immer und überall?

Ich wollte es genau wissen und habe die Hafenbehörde (Hafenpolizei) in der Zea Marina, Piräus besucht, um aus erster Hand zu erfahren, wer denn eigentlich, wann, wo und wie oft welche Gebühren kassiert. "Kein Problem", lautete die Antwort des dienstranghöchsten, etwa 45 Jahre alten Hafenpolizisten auf die entsprechende Frage. "Gehen Sie ins Büro der Marinaverwaltung (E.O.T.) nebenan - die kassieren die Liegegebühren."
"Nein, nein", antwortete ich. "Es geht nicht um die Liegegebühren, sondern um die Gebühren die einlaufende Yachten aus EU- und nicht EU-Mitgliedstaaten beim Anlaufen griechischer Marinas, Häfen, Küsten und überhaupt zu bezahlen haben, sofern sie ihren ständigen Liegeplatz nicht in Griechenland haben. Schließlich ist es ja eine Aufgabe der Hafenpolizei, diese Gebühren zu kassieren."

Nun blicke der Mann erst mich und dann zwei weitere anwesende Beamte verständnislos an. Ich dachte zunächst, dass er wohl mein in etwas holpriegem Griechisch vorgetragenes Anliegen rein sprachlich nicht ganz verstanden hat, weshalb ich es auf Englisch wiederholte. Daraufhin begann eine etwa 10 Minuten dauernde Diskussion mit den anderen beiden Beamten, an derem Ende ich die Antwort erhielt, dass man solche Gebühren hier nicht kenne. Cruising Permit? Verkehrsgebühren? - nie gehört.

Ich fragte noch einmal nach: "Sie kassieren solche Gebühren hier also nicht?"
"Nein", lautete die im Brustton der Überzeugung vorgebrachte Antwort.

Der Mann verwies mich schließlich an die Griechische Zentrale für Fremdenverkehr (E.O.T.), die ich auch gleich per Fax um Klärung der Angelegenheit bat. Als Antwort erhielt ich ebenfalls per Fax einen Auszug aus dem Original-Gesetzestext (eine freie Übersetzung finden Sie unter Formalitäten), in dem ich nachlesen konnte, dass der Gebühreneinzug eine Aufgabe der Hafenpolizei ist.

Anzumerken ist, dass es sich bei der Zea Marina um eine der größten Marinas Griechenlands handelt, die außerdem auch noch als Port of Entry registriert ist.

Welchen Schluss kann man aus dieser Geschichte ziehen? Nicht sämtliche Hafenbehörden bzw. Dienststellen der Hafenpolizei wissen, dass sie diese "Einreisegebühren" zu kassieren haben. Behörden in Häfen, die an den Außengrenzen Griechenlands und besonders an der Grenze zur Türkei liegen, scheinen besser informiert zu sein. Für Yachten, die sich nur kurze Zeit in griechischen Gewässern aufhalten, könnte es sich lohnen, für Zwischenstopps nur Häfen (Port of Entry) anzulaufen, die weit von den Grenzen entfernt liegen, beispielsweise die Zea Marina.

Wer ähnliche oder auch völlig andere Erfahrungen gesammelt hat, den möchte ich bitten, mir diese Erfahrungen in Form eine E-Mail mitzuteilen, weil ich sie gern hier veröffentlichen würde, um etwas Transparenz in die Angelegenheit zu bringen (info@sailgreece.de).

Dirk Jarzyna